Yoga Alignment vs. Anatomie: Warum die richtige Ausrichtung bei dir selbst beginnt
In der Welt des Yoga werfen wir ständig mit Begriffen um uns: „Achte auf dein Alignment“, „Anatomisch korrektes Üben“ oder „Funktionale Bewegung“. Doch was bedeuten diese Schlagworte eigentlich, wenn wir sie mal ganz genau unter die Lupe nehmen? In der neuesten Folge von Motivity Moves haben Jenni und Jenny vom Motivity Studio in Hamburg genau das getan.
Das Ergebnis? Alignment und Anatomie sind nicht das Gleiche, auch wenn sie im Yoga-Marketing oft in einen Topf geworfen werden. Wer den Unterschied versteht, verändert nicht nur seine Praxis auf der Matte, sondern gewinnt eine völlig neue Freiheit in der Bewegung.
Das Fundament: Was ist eigentlich Anatomie?
Anatomie ist die Lehre vom Aufbau des menschlichen Körpers. Sie ist das biologische Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Wenn wir über Anatomie sprechen, reden wir über Fakten:
Strukturen: Unsere Knochen, Muskeln, Gelenke, Bänder und Sehnen.
Systeme: Das Nervensystem, die Atmung (Zwerchfell) und die Propriozeption (unsere Eigenwahrnehmung im Raum).
Funktionen: Wie diese Bestandteile zusammenarbeiten, um uns das Gehen, Sitzen und Bewegen zu ermöglichen.
Anatomie ist die Basis für alle biomechanischen Funktionen. Sie gibt uns den Rahmen vor, innerhalb dessen wir uns bewegen können. Doch hier liegt der Clou: Obwohl wir alle die gleichen „Bauteile“ haben, ist die individuelle Ausprägung bei jedem Menschen anders.
Das Konzept: Was bedeutet Alignment im Yoga?
Während die Anatomie das „Was“ beschreibt, ist das Alignment (die Ausrichtung) im Yoga eher das „Wie“. Es geht darum, wie wir unsere Körperstrukturen in einer bestimmten Asana (Position) zueinander positionieren.
In vielen Yoga-Klassen wird Alignment jedoch wie eine Schablone verwendet. Es gibt ein „Richtig“ und ein „Falsch“. Füße parallel, Knie im 90-Grad-Winkel, Blick zur Hand. Jenni und Jenny hinterfragen diesen Ansatz kritisch: Ist eine Ausrichtung, die für Person A perfekt ist, automatisch auch für Person B gesund? Die Antwort lautet meistens: Nein.
Der Konflikt: Schablone vs. Individualität
Das größte Problem in der modernen Yoga-Welt ist die „One Size Fits All“-Mentalität. Oft wird ein idealisiertes Bild einer Pose gelehrt, das auf einem funktional gesunden „Standardkörper“ basiert. Doch wir sind alle Individuen mit unterschiedlichen Proportionen, Knochenstrukturen und Bewegungseinschränkungen.
Warum starres Alignment gefährlich sein kann
Wenn ein Lehrer darauf besteht, dass jeder im Krieger 2 den gleichen Fußabstand oder den gleichen Winkel im Knie haben muss, ignoriert er die individuelle Anatomie.
Knöcherne Begrenzungen: Manchmal erlaubt die Form des Hüftgelenks schlichtweg keine tiefe Außenrotation.
Tagesform: Kraft und Flexibilität variieren von Tag zu Tag.
Verletzungsgefahr: Wer sich in eine Schablone presst, die nicht zur eigenen Anatomie passt, riskiert langfristig Überlastungen.
Anatomische Mythen: Wenn Cues in die Irre führen
Im Podcast räumen Jenni und Jenny mit einigen der hartnäckigsten Korrekturen (Cues) auf, die oft fälschlicherweise als „anatomisch wertvoll“ verkauft werden.
„Schultern weg von den Ohren“
Dies ist wohl der Klassiker unter den Yoga-Cues. Doch Jenni erklärt leidenschaftlich, warum dieser Satz anatomisch oft wenig Sinn ergibt. Wenn wir die Arme heben, muss sich das Schulterblatt bewegen und die Schultermuskulatur aktiv werden. Die Schultern krampfhaft nach unten zu drücken, blockiert die natürliche Mechanik des Schultergürtels und kann sogar zu Verspannungen führen.
„Das Knie darf nicht über die Zehenspitzen“
Ein Relikt aus der alten Sportlehre, das sich im Yoga hartnäckig hält. Anatomisch gesehen ist das Knie durchaus in der Lage, über die Zehenspitzen hinauszuragen, solange die Belastung funktional gesteuert wird. In vielen Alltagssituationen – wie beim Treppensteigen – passiert genau das.
„Gesäßmuskulatur locker lassen in Rückbeugen“
Oft hört man, man solle den Po in Rückbeugen entspannen, um den unteren Rücken zu schützen. Jenni korrigiert das: Die Gesäßmuskulatur ist ein wichtiger Stabilisator für das Becken. Sie hilft dabei, die Hüfte zu strecken und den unteren Rücken zu entlasten. Sie komplett locker zu lassen, wäre anatomisch kontraproduktiv.
Funktionale Bewegung im Motivity Studio
Im Motivity Studio in Hamburg verfolgen Jenni und Jenny einen anderen Ansatz. Es geht weniger darum, wie eine Pose aussieht, sondern wie sie sich anfühlt und welche Funktion sie erfüllt.
Spüren statt Formen
Ein gutes Alignment sollte das Ergebnis von innerer Stabilität und Wahrnehmung sein, nicht das Nachahmen eines Bildes.
Bodenreaktionskraft nutzen: Wie drücke ich meine Hände und Füße in die Matte, um Kraftlinien im Körper zu aktivieren?
Eigenverantwortung: Teilnehmer werden ermutigt, mit dem Abstand der Füße oder dem Winkel der Arme zu experimentieren, um ihr eigenes, gesundes Alignment zu finden.
Optionen statt Verbote: Im Krieger darf das Knie auch mal weniger gebeugt sein, wenn die Kraft heute nicht reicht. Das ist kein „schlechtes“ Yoga, sondern kluge Anatomie-Anwendung.
Fazit: Werde zum Experten für deinen eigenen Körper
Anatomie-Wissen ist für Yoga-Lehrende unerlässlich, um Schablonen aufzubrechen und echte Hilfestellung zu leisten. Aber auch als Übender hilft dir dieses Verständnis, dich von dem Druck zu befreien, „perfekt“ aussehen zu müssen.
Echtes Alignment entsteht, wenn du die Grundprinzipien der Anatomie verstehst und sie auf deine einzigartige Struktur anwendest. Es ist ein Prozess des Erforschens, der niemals endet.
Möchtest du mehr über funktionale Bewegung lernen? Komm vorbei im Motivity Studio in Hamburg oder hör rein bei Motivity Moves – überall, wo es Podcasts gibt. Wir unterstützen dich dabei, dein Yoga so auszurichten, dass es sich für dich richtig anfühlt.